Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Tanzen gegen die Angst und den Hass

Kultur in Neuss: Patrick Schad las Eric-Emmanuel Schmitts Geschichte von Moses und Ibrahim

NGZ, 06. Mai 2003

Neuss. "Lesung statt Glotze", so lautete das Motto der literarisch-musikalischen Reise des "einzig wahren Moment Theaters" im Kulturkeller. Nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen, doch die Verbindung einer bezaubernden Erzählung ("Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran") mit einer leidenschaftlichen Erzählweise brachte dem Theater einen haushohen Sieg über das freitagabendliche Fernsehprogramm ein. Die phantasievolle Geschichte des Heranwachsenden Moses, der unter seinem Vater leidet und zu dem vermeintlichen Araber Monsieur Ibrahim eine innige Beziehung aufbaut, zog das Publikum dank zweier Eigenschaften in ihren Bann: Sie ist nicht nur nachdenklich und tiefsinnig, sondern auch humorvoll. Der jüdische Junge Moses, wohnhaft in einem Pariser Armenviertel, hat kein Verhältnis zu seinem Vater, denn der ist griesgrämig und wortkarg. Da seine Mutter die Familie vor Jahren verlassen hat, beschäftigt sich Moses hauptsächlich mit sich selbst: Ein Mann möchte er werden.

Als sein Vater ihn des Diebstahls bezichtigt, beginnt der beleidigte Moses tatsächlich das Klauen. Auf diese Weise lernt er den Händler Monsieur Ibrahim kennen, der ein Araber sein soll, doch das heißt in seiner Branche nur "auch nachts und am Sonntag geöffnet". Monsieur Ibrahim ist ein feinfühliger alter Mann, der "weiß, was in meinem Koran steht". Um die Verluste, die er durch die Diebstähle Moses hat, wettzumachen, entlockt er Brigitte Bardot für eine Flasche Wasser 40 Francs, denn: "Momo, wenn du schon klauen willst, dann nur bei mir!" Er verrät ihm Diebestricks, geht auf ihn ein, hört ihm zu, lässt den jungen Juden die Geheimnisse des Korans entdecken. Moses stößt auf ganz neue Dimensionen der (Erwachsenen-)Welt.

Nicht nur dem Publikum gefiel die Erzählung des Autors Eric-Emmanuel Schmitt, sondern offensichtlich auch Patrick Schad, der sie mit lebhaftem Gesicht und angenehmer Stimme vorlas. Den kindlich-nüchternen Ton des Ich-Erzählers Moses wusste er gut wiederzugeben. Das Zuhören fiel nicht schwer, zumal Schad von Thomas Schneider unterstützt wurde, der seine Gitarre klangvolle französisch-arabische Melodien spielen ließ. Musik, Vortrag und Erzählung waren vortrefflich aufeinander abgestimmt. Das Kellergewölbe schaffte schließlich den atmosphärisch passenden Rahmen.

Nachdem Moses von seinem Vater verlassen wird, adoptiert Monsieur Ibrahim ihn; gemeinsam unternehmen sie eine lange Reise. Sie entdecken das Tanzen als Mittel gegen Angst, Trauer und Hass. Am Ende stirbt der weise Alte als glücklicher Mensch. Jahre später übernimmt Moses seinen Laden; zu seiner zurückgekehrten Mutter baut er langsam wieder Kontakt auf. Eine prägende Beziehung zwischen einem Kind und einem alten Mann, der nicht zuletzt dank Schad und Schneider etwas Zauberhaftes an sich hatte. Das haben auch die Zuhörer gespürt und zeigten das mit einem lang anhaltendem Applaus.