Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Spannende Reise in die Tiefen der eigenen Existenz

Das Einzig Wahre Momenttheater feierte gelungene Premiere mit Eric-Emmanuel Schmitts "Enigma"

NGZ, 25. August 2003

Neuss. Dunkel wird es in dem alten Gewölbekeller. Die Augen der Zuschauer sind auf die Bühne gerichtet. Abstrakte Möbel in kühlem Weiß bilden dort den Schauplatz. Ein lauter Schuss durchbricht die Stille unerwartet und lässt die Zuschauer zusammenzucken. Ein Mann stürmt auf die Bühne, sichtlich verwirrt über den Schuss, der ihn nur knapp verfehlte. Mit einer Pistole in der Hand betritt schließlich Abel Znorko die Bühne und eröffnet das Schauspiel: "Ich schieße nur auf Leute, die sich meinem Haus nähern. Sind sie erst einmal drin, sind sie meine Gäste."

Eine gelungene Premiere bot das Einzig Wahre Momenttheater vergangenen Freitag im Kulturkeller. "Enigma" (dt. Rätsel) – ein Stück, mit dem Eric-Emmanuel Schmitt die Basis für einen Abend voller Spannung und Intensität liefert, stand auf dem Programm. Regisseur Patrick Schad kombinierte die Handlung Schmitts mit einer gelungenen Inszenierung und bot seinen Zuschauern somit einen facettenreichen Theaterabend.

Im Vordergrund von "Enigma" steht der Besuch des kleinen Journalisten Erik Larsen beim großen Schriftsteller Abel Znorko, der kürzlich sein neues Buch veröffentlichte. Zurückgezogen lebt Znorko auf einer norwegischen Insel, gilt als menscheinfeindlich. Larsen blickt jedoch zuversichtlich auf das Interview und beginnt, Znorko zu dessen Buch zu befragen. Doch weit gefehlt: Znorko entpuppt sich als schwieriger Gesprächspartner. Er stellt Gegenfragen, greift den Journalisten sogar persönlich an. Der Versuch Larsens, etwas über Znorko zu erfahren, löst schließlich ein Wort-Gefecht aus. Zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, liefern vor den Augen der Zuschauer ein verbales Duell über das Leben und die Liebe.

Patrick Schad inszenierte diese zweistündige "Achterbahnfahrt" durch die Emotionen und Tiefen menschlicher Existenz. "Ich habe mich für "Enigma" entschieden, weil mir die messerscharfe Betrachtungsweise Eric-Emmanuel Schmitts gefällt", so der Regisseur, der in dem Stück selbst die Rolle des Schriftstellers Znorko übernahm. "Enigma" beinhalte eine Geschichte, in der Zuschauer sich wieder finden und Wahrheiten entdecken könne.

Bewusst ist das Bühnenbild daher schlicht und minimalistisch gehalten. Die Konzentration des Zuschauers auf das Wort ist auf diese Weise sicher gestellt. "Die Sprache steht im Vordergrund", betonte Heribert Münch. Der Maler und Bildhauer skizzierte mit abstrakten Möbeln in schlichtem Weiß die einsame Welt Znorkos. "Wir haben Weiß gewählt, da es, je nach Lichteinfall, alle Farben ausstrahlt."

Als "arbeitsintensiv und herausfordernd" empfang Michael Rogner die dreimonatige Produktion von "Enigma". Der Schauspieler übernahm die Rolle des Journalisten Eric Larsen, der das "völlige Gegenteil" von ihm selbst sei. "Dir Rolle war eine Herausforderung für mich", so Rogner. "Ich musste Emotionen zulassen, die nicht immer da sind." Schad habe ihm als Regisseur mit Rat zur Seite gestanden, und so entstand eine angenehme Zusammenarbeit der beiden Kollegen.

Nach zwei Stunden voller Spannung lobte das Publikum die Arbeit des Ensembles mit stürmischem Applaus. Sabine Schattman wischte sich gerührt ein paar Tränen aus den Augen. "Solch einen überraschenden Theaterabend kann ich nur empfehlen", so die begeisterte Besucherin.

Wer Lust hat, sich in die Welt Znorkos entführen zu lassen, bekommt am 5. und 6. September im Dormagener Kloster Knechtsteden die Chance dazu. Dann werden Znorko und Larsen erneut die Bühne betreten. Bereit zum Gefecht über die Liebe und die eigene Existenz.

Christina Romberg