Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Kulturgeschichte des Kusses

Leidenschaftliches Bühnen-Tête-à-tête
Geschah es im Paradies, als Adam und Eva sich jenen legendären Apfel teilten und in Ermangelung eines Messers so lange von beiden Seiten abbissen, bis sich plötzlich ihre Lippen trafen? Bescherten sie damit der Menschheit nicht nur die fristlose Kündigung im Garten Eden, sondern auch den ersten Kuss?

NGZ, 13. Dezember 2004

Lieder und szenische Lesungen rund um die Kulturgeschichte des Kusses präsentierten Birgit Meyer und Patrick Schad vom „Einzig wahren Moment Theater“ im Kulturkeller, zeigten als Bühnenpaar poetische Szenen voller Erotik und Eifersucht, Sehnsucht und Verführung, stritten und versöhnten sich - natürlich mit einem Kuss.

Mit dicker Hornbrille dozierte Schad zwischendurch betont trocken über jene besondere orale Begegnung, erlag aller strengen Wissenschaft zum Trotz aber doch der weiblichen Verführungskunst seiner Partnerin: Grau eben ist alle Theorie, erst recht die des Kusses und so wenig sich darüber zu reden lohnt, so sehr lohnt doch das Tun, war die Botschaft des charmanten Abends.

Interessantes Detail am Rande war dennoch, dass der Zelluloid-Kuss, dessen bekannteste Erscheinungsformen fraglos in „Vom Winde verweht“ und „Casablanca“ zu besichtigen sind, nicht länger als exakt 2, 15 Meter Filmstreifen oder drei Sekunden Länge in Anspruch nehmen durfte und dass er - ahnt man‘s? - nur Stellvertreter oder Symbol war für den lange Zeit filmisch tabuisierten Liebesakt. Geschichten voll zarter Komik wie die vom verliebten Briefmark, von filigranen Liebesbanden zwischen einer Ehefrau und ihres Gatten besten Freundes oder von knisternd-elektrisierenden Begegnungen an der Bar oder am Telefon am Telefon als (in-)direktem Weg vom Ich zum Du entführten das umfangreiche Publikum in die Welt sinnlicher Romanzen.

Poetischer Abend

Da durften Lieder vom Küssen freilich nicht fehlen, die Birgit Meyer mit viel Gefühl und melodiöser Stimme präsentierte, auch wenn die schwierige Akustik des Gewölbekellers ihr dabei nicht unbedingt entgegenkam. Kraftvoll in den tieferen Tonlagen, klangvoll in den höheren, gelang der Sängerin und Schauspielerin Birgit Meyer eine vielseitige Tour d‘horizon durch die Welt weiblicher Sehnsüchte. Persönliches Neuland betrat der Schauspieler Patrick Schad mit kurzen Gesangsbeiträgen, die er mit kraftvollem Bass gut bewältigte.

Am Ende des leidenschaftlichen Bühnen-Tête-à-tête standen natürlich der filmreife Versöhnungskuss, der stimmungsvolle Casablanca-Song „As time goes by“ und zahlreiche Zugaben zu einem poetischen Abend voller Charme, Klang und Erotik.

(Von Dagmar Kann-Coomann)