Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
Aktuell
Programm
Vorschau
Geschichte
Ensemble
Repertoire
Presse
Archiv
Links
Newsletter
Kontakt
Impressum
Sie befinden sich hier: -> Startseite -> Presse -> Presseartikel

Die grausige Bilanz eines Mörders

"Momenttheater" reflektierte das Leben des Kroll

WZ, 10. September 2005

Neuss. Es war das Monster, das Mädchen und Frauen serienweise tötete - 20 Jahre hatte er auf perverse Art seine Opfer im Ruhrgebiet, am Niederrhein und sogar in Neuss ermordet. In den siebziger Jahren lief der Jahrhundertmörder Joachim Kroll dann der Polizei durch einen furchtbaren Fund in die Falle. Die grausige Bilanz eines Massenmörders hielt die Öffentlichkeit in Atem.

Was treibt einen Menschen zu solchen Taten? Diese Frage stellte Hauptkommissar Stephan Herbort in den Mittelpunkt seines Romans "Ich musste sie kaputt machen", der die Geschichte des Mörders Kroll reflektiert. Das "Einzig wahre Moment Theater" mit Marek Wander Wrobel und Patrick Schad präsentierte Donnerstagabend im Kulturkeller eine szenische Lesung und brachte den Serienmörder einem gebannten Publikum näher

Gelesen wurde in der Szenerie eines Bahnsteigs. Einem Ort der flüchtigen Begegnung, wo die Anonymität jegliches Interesse am unbekannten gegenüber neutralisiert. "Seid wachsam!" mahnte die Stimme aus dem Lautsprecher, "haltet die Augen auf, vielleicht ist der potentielle Mörder mitten unter uns."

Immerhin sagt die Statistik, dass ein Prozent der Bevölkerung, so erfährt der Zuschauer, abnorme sexuelle Bedürfnisse und Phantasien hat. Nüchtern und sachlich, ohne die unglaubliche Brutalität und Perversität des Mörders Kroll in den Mittelpunkt zu setzen, zeichnen Wrobel und Schad das Lebensmosaik des Mörders nach und bringen den Menschen näher, dessen höchster Lustgewinn in der Macht zum Töten lag.

Einer, der "Schleicher" genannt, war der typische, unauffällige Nachbar von nebenan, von dem keiner ahnte, welche Zeitbombe in seinem Hirn tickte. Wenn sie losging, machte er sich auf den Weg und suchte gezielt nach seinem Opfer. Stets trieb den kontaktscheuen Mann, der nie Freunde hatte, ein "komisches Gefühl". Gemischte Gefühle und reichlich Stoff zum Nachdenken blieben nach der Vorstellung auch beim Publikum zurück, das sich fragen musste, wieso ein Mensch so handelt.

(slb)