Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Was ist die Wahrheit?

NGZ, 07. November 2005

Neuss. "Ich hasse die Liebe. Sie ist ein Gefühl, dass ich stets zu vermeiden suchte", behauptet Abel Znorko, preisgekrönter Autor, dessen Elfenbeinturm eine kleine norwegische Insel ist, auf der er seit 15 Jahren fern von allen Belästigungen lebt und schreibt. Umso seltsamer, dass sein jüngster Roman ein leidenschaftlicher Briefwechsel ist, in dem es um nichts als die Liebe geht. Wer ist Eva Lamour, die Frau, der Znorkos Liebesbriefe im Roman gelten? Erik Larsen, Reporter eines Provinzblättchens aus dem 300 Kilometer entfernten Nobrowsnik nutzt das Exklusiv-Interview, das Znorko ihm gewährt, um die Wahrheit zu erfahren.

Was aber ist die Wahrheit über diese Person? Ist sie erfunden oder real? Und wenn real, was weiß Znorko über eine Frau, die er seit anderthalb Jahrzehnten aus der Ferne liebt?

"Enigma". Bühnenstück des Bestsellerautors Eric-Emmanuel Schmitt, spürt dem Rätsel nach, das Liebende aller Nähe zum Trotz füreinander bleiben und überrascht immer wieder mit völlig unerwarteten Wendungen. Das "Einzig wahre Moment Theater" zeigt Schmitts pointenreiches Stück am Samstag im Kulturkeller in der Regie von Patrick Schad. Dabei begeisterte schon das Bühnenbild des Neusser Künstlers Heribert Münch, der Znorkos selbst gewählten Elfenbeinturm mit vier weißen Quadern andeutet und die Unmöglichkeit, einander zu erkennen mit dezenten Milchglasscheiben im Hintergrund augenfällig macht. Patrick Schad zeigte einfach hervorragend den überheblichen Autor und zynischen Menschenfeind Znorko, der seinen Gast nicht eben freundlich mit ein paar Pistolenschüssen empfängt. Mit feinem Gespür und kleinen Gesten aber lässt Schad hinter der schroffen Fassade des Misanthropen immer auch den verletzlichen, ganz anderen Znorko durchblitzen, das menschliche Juwel, das sich wie die Auster hinter harter Schale verbarrikadiert.

Denkbar leichtfüßig und authentisch gestaltete Markus Diedrich den freundlichen und geradlinigen Journalisten Erik Larsen als Znorkos philanthropischen Gegenpart, einen offenen, sympathischen Zeitgenossen, der nichtsdestotrotz manch unerwartetes Geheimnis in sich birgt. Warum hat Znorko, erklärter Feind aller Journalisten, ausgerechnet Larsen einen Gesprächstermin gegeben? Und ist Nobrowsnik, der Ort, in dem Larsen lebt, wirklich der Ort des Romans, an dem Znorko einst seine Geliebte verließ, um ihre Liebe vor der Gewöhnlichkeit des Alltags zu retten?

Packend und mit großer Intensität gestalten Schad und Diedrich die Begegnung zwischen den denkbar verschiedenen Figuren als entdeckungsreiche Reise in einer überraschende Wahrheit: Ein intelligentes, verblüffendes Stück, geradlinig inszeniert mit zwei brillanten Darstellern.

(KaTse)