Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Der Kluge und der Dumme

NGZ, 21. November 2006

Neuss. Zwei Pritschen, zwei Stühle ein Tisch - vielmehr findet sich nicht in dem heruntergekommenen Verschlag unter der Treppe. Zwei namenlose Emigranten hausen hier. Flüchtlinge, die aus unterschiedlichen Gründen dieselbe Heimat verlassen haben. Der eine ist Intellektueller, wurde als "Politischer" vertrieben. Der andere ist Arbeiter, will im Ausland Geld machen, um dann wieder nach Hause zurückzukehren. Zwei Clowns treffen aufeinander, der Kluge und der Dumme.

Die 1974 entstandene Tragikomödie "Emigranten" gilt als das wichtigste Theaterstück des polnischen Dramatikers Slawomir Mrozek. Das "Einzig wahre Moment Theater" hat das viel gespielte Werk jetzt im Kulturkeller auf die Bühne gebracht. Gegeben werden die beiden Kellerbewohner von Patrick Schad und Marek Wander Wróbel, der sich gleichzeitig für Inszenierung und Regie verantwortlich zeigt.

Nur wenige Requisiten geben den beiden Schauspielern Rückhalt, ansonsten sind sie einhundert Textseiten und zwei Stunden lang auf sich gestellt. Zwei Stunden, die nicht gerade verfliegen - dazu passiert auf der Bühne zu wenig, plätschern die oft absurden Dialoge der beiden Protagonisten streckenweise zu ziellos daher. Sicher, der monotone Kelleralltag der beiden Emigranten vermittelt sich so nachdrücklich.

Doch ein paar mehr Striche hätten dem Einakter gut getan, vielleicht sogar die eingefügte Pause überflüssig gemacht. Das Ambiente des Kulturkellers passt gut zum kärglichen Rahmen des Bühnengeschehens. Genauso wie Marek Wander Wróbels polnischer Akzent zu seiner Rolle. Dadurch, dass Patrick Schad bestes Bühnendeutsch spricht, bleibt jedoch lange unklar, dass beide Darsteller Emigranten desselben Landes verkörpern sollen.

Viel gemeinsam haben die beiden Hauptfiguren allerdings ohnehin nicht. Der eine sucht die seelische Freiheit, der andere die finanzielle. Schad, der intellektuelle Politflüchtling, beschimpft seinen Wohnungsgenossen als "dummen wehrlosen Arbeitsochsen" und missbraucht ihn als Studienobjekt für sein Buch über den "idealen Sklaven".

Wróbel, der Prolet, nennt seinen Bettnachbarn einen „Klugscheißer“ und träumt davon, als reicher Rückkehrer in der Heimat „ein Haus aus Stein mit Zentralheizung“ zu bauen. Doch die Träume und Ziele beider Emigranten bleiben unerreicht. Am Ende zerreißt der eine sein revolutionäres Buch und weint sich in den Schlaf, der andere zerreißt seine gesammelten Geldscheine und versucht, sich aufzuhängen.

Auf dem langen, bisweilen grotesken Weg zu diesem tragischen Finale verleihen Schad und Wróbel ihren Figuren Authentizität, Witz und Tiefgang. Gelegentliche Unsicherheiten in Sachen Texteinsatz und Timing werden in den kommenden Vorstellungen sicher schwinden.

Info: Nächster Termin: 17. Dezember, 20 Uhr

(Markus Frädrich)