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Ein facettenreiches Spiel

NGZ, 25. September 2006

Neuss. "Stechen, hauen, plündern, morden": Er flüstert die Worte und sie gewinnen an Kraft durch das Weniger an Klang. Er gestikuliert mit der Zugstange seines Handkarrens, die - je nachdem - ein Kreuz ist oder ein Schwert, meistens der Stock, mit dem er seine Hörer Mores lehrt. Leidenschaftlich, eindringlich redet Patrick Schad in der Rolle des Giovanni Battista Bernardone alias Francesco, Franziskus oder Franz von Assisi über den Krieg.

Er preist jede Form von Gemetzel und Mordbrennerei so glühend, dass man versteht, weshalb die Bologner, denen der legendäre Heilige diese Rede hielt, drei Tage später geschlossen vor ihr Rathaus zogen und den Frieden erzwangen.

"Franziskus - Gaukler Gottes", heißt das Stück des italienischen Literaturnobelpreisträgers Dario Fo, in dem Patrick Schad als Solodarsteller im Kulturkeller alle Register seiner darstellerischen Fähigkeiten zog. Gemeinsam mit Marek Wander Wrobel hat Schad den „Gaukler Gottes“ inszeniert und zeichnet in verschiedenen Episoden aus Francescos Leben ein faszinierendes, schillerndes, nicht zuletzt absolut unterhaltsames Bild des charismatischen Predigers, Sozialrevolutionärs, Pazifisten und Kirchenkritikers.

Souverän beginnt er als Erzähler, erinnert an den radikalen Armutsverfechter und seine Zeit, das frühe dreizehnte Jahrhundert, nimmt spielerisch in immer neuen Episoden die Rolle des Francesco ein und begeistert durch die Vielfalt der Gesichter, die er dem Begründer des Franziskanerordens gibt. Vor allem den Menschen Francesco, den Rebellen und begnadeten Rhetoriker stellt Dario Fo in seinem Stück in den Mittelpunkt. Er rekonstruiert, erfindet Predigten und führt in Fragmenten und Anekdoten vor Augen, wer er war, wer er gewesen sein könnte und wie er es schaffte, schon zu Lebzeiten eine stattliche Zahl von Anhängern zu begeistern.

Mit nur wenig Requisiten - was auch die Abkehr des Franziskus von allem irdischen Hab und Gut wunderbar reflektiert - zeigen Schad und Wrobel Dario Fos Francesco als einen, der unterwegs ist mit seinem kleinen Handkarren. Dafür nutzen sie um so intensiver eine riesige Palette gestischer, mimischer Ausdrucksformen - ebenso wie der Wanderprediger selbst, der es schaffte, in ganz Italien zu predigen, obwohl in seiner Zeit jenseits zahlloser Dialekte noch lange keine einheitliche Landessprache verfügbar war. So gestikuliert Schad eindringlich, beschwört und begeistert mit hintersinniger Ironie als Prediger vor den Bolognern. Schad zeigt mit fröhlichem - buchstäblichem - „Überschwang“ den jugendlichen Draufgänger Francesco und sein versehentliches Schwingen als lebendiger Glockenklöppel, wird kumpelhaft im Gespräch mit dem Wolf von Gubbio, den Franziskus kraft seiner Worte zähmte.

Als eine beringte Hand, die von einem höhen Sitz unter glitzerndem Purpurstoff herausragt, zeigt Schad schließlich Papst Innozenz III. Er charakterisiert das Kirchenoberhaupt, das Francesco nur äußerst widerwillig die Genehmigung zum Predigen erteilte, in einer faszinierenden Darstellung herablassender, abweisender Handgesten. Insgesamt eine wunderbare Inszenierung, unterhaltsam, überraschend, informativ und sehenswert.

Weitere Aufführungen: 22. Oktober, 20 Uhr

(KaTse)