Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Momenttheater in Neuss: Blick hinter die Verzweiflung

WZ, 28. Februar 2007

Das Momenttheater zeigt die Uraufführung eines Stücks von Lena Katz, das sich mit dem Amoklauf von Emsdetten befasst.

Neuss. Nur das fahle Blau des Computerbildschirms beleuchtet sein Gesicht. "Sie alle verachten mich!", schreit der junge Mann in die Dunkelheit. Über 60 Minuten dauert sein Monolog, bevor er sich, in Khakihose, schwarzem T-Shirt, Wollmütze und Springerstiefeln, auf den Weg macht.

Bereits vier Monate nach der Tragödie von Emsdetten versucht "Das einzig wahre Momenttheater" in Neuss, das Innenleben eines jugendlichen Amokläufers darzustellen. Das Stück von Lena Katz heißt "Ich bin weg".

Mit den drei Worten endet auch der Abschiedsbrief des Bastian B., der im November vergangenen Jahres im Münsterland mehrere Schüler, Lehrer und Polizisten zum Teil schwer verletzte, bevor er sich selbst in die Luft sprengte.

Der bundesweit bislang erste Versuch, sich diesem Thema zu nähern, birgt einige Untiefen. Dem 46-jährigen Darsteller Patrick Schad gelingt es nicht immer, sich in einen 17-jährigen Außenseiter zu verwandeln.

Zuweilen siegt die gestochene Theatersprache über den Schulhofslang. Gelungen hingegen ist die präzise Darstellung der vielen Katastrophen, die stattfinden müssen, bevor ein junger Mann zum Gewehr greift.

Das System Schule erscheint krank. Sadistische Lehrer gehen mit sadistischen Schülern eine geheime Koalition gegen die Unerwünschten ein. Das Gelächter der Klassenkameraden vernichtet alle Hoffnung des Verzweifelten. Fast möchte man Mitleid mit dem Täter haben.

Da verwandelt sich der Gequälte in den Quälenden. Voller Lust malt sich der Junge aus, wie er einem Mitschüler Knie und Ellbogen durchschießt, bevor er ihn tötet. "Zwischen seinen Augen wird er ein weiteres Loch haben, durch das er das erste Mal in seinem Leben die Wahrheit sehen kann."

Theaterstück ergänzt die Diskussion über Gewalt an Schulen

Nicht erst seit dem Amoklauf von Emsdetten diskutieren Pädagogen und Politiker über nötige Konsequenzen. "Ich bin weg" kann hierbei einen erhellenden Beitrag leisten. "Eure Videokameras erkennen nichts", erklärt dort der junge Mann.

Nur ein freundschaftlicher Blick hätte seine Verzweiflung sehen können. Lehrer mögen durch diese Tragödie animiert werden, sich mehr um die Ausgegrenzten zu kümmern. Manche Schüler allerdings kann die eher textlastige Inszenierung wohl nicht erreichen.

Info: 70 Min., Auff.: Neuss 10. u. 11. März, 20 Uhr, Kulturkeller, Neuss, Oberstr. 17, Karten Tel. 02131/27 32 42

(Lutz Debus)