Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Tolles Spiel für kleine Gäste

NGZ, 19. Dezember 2007

Neuss. Wen es am Samstagnachmittag in den Kulturkeller an der Oberstrasse verschlug, der sah sich plötzlich dem Weihnachtschaos auf den Straßen entzogen, eingeschlossen vom anheimelnden Gewölbe. Und was ihm dort von fünf jungen Schauspielern vorgeführt wurde, hatte zu seiner Erleichterung auch herzlich wenig mit Weihnachten zu tun. Dafür aber mit Clowns, mit Schülern und Lehrern, mit Alberei und Blödelei.

Auf den Leib geschneidert

Das "Einzig wahre Moment Theater" präsentierte mal wieder ein Stück für die ganz Kleinen unter den Zuschauern, und das Ensemble, das um vier Mitglieder erweitert wurde, zeigte sich in alter Frische. Die Figur des Doktor Sinn, Prototyp des strengen Unterweisers, schien Patrick Schad wie auf den Leib geschneidert. Mit wunderbarer Lebendigkeit sprühte er seine Lehrer-Floskeln in den Raum und machte dabei aus jedem B ein P und aus jedem D ein T.

Er marschierte um sein Pult herum, die Pobacken fest zusammengekniffen, und verzweifelte schier am Ungestüm seiner vier Schüler. Quaste, Schmalz, Karfunkel und Wiesel brauchten kaum zwei Minuten um sich in die Herzen der kleinen und großen Zuschauer zu spielen. Anne Röhm, Nicole Brennenstuhl, Engracia Castelo und Gregor Koppenburg verwandelten die fiktiven Papiermenschen mit Leichtigkeit in liebenswerte Rabauken und gaben jedem ein ganz eigenes Profil.

Tische wurden zu Klettergerüsten, Stühle zu Thronen, und eine jede "Kapitellesung" des armen Doktor Sinn endete im farbenfrohen Hin und Her der unhaltbaren Kinder.

Aus dem Publikum flogen derweil begeisterte Zurufe nach vorn, die das Schauspielerteam gekonnt aufgriff und verarbeitete - obwohl "der Lehrplan keine Außenkontakte vorsieht".

Auch die erwachsenen Zuschauer ließen ihrer Freude über das Stück immer wieder in form von lautem Lachen freien Lauf und quittierten damit sowohl das tolle Spiel des Ensembles als auch die gewitzten Texte des Autors F.K. Waechter.

So prallen Weltanschauungen aufeinander: die wirbelige Welt der Kinder läßt sich unmöglich vereinbaren mit der starren Welt des Lehrers. Dennoch meinen es beide Seiten gut, und das ist wohl das größte Problem. So scheint es unvermeintlich dass Doktor Sinn nach einem Sturz verwirrt durch die Klasse schwankt, seine Brille verliert und sein vermeintliches Spiegelbild anspuckt. Am Ende klammert er sich an sein Pult und flüstert kraftlos: "Die Prüfung ist fertig, meine Brille ist fertig und ich bin auch fertig."

(asnü)