Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Genussvoller Ohrenschmaus

NGZ, 05. Mai 2008

Neuss. Grandad Jake ist ein Spieler und ein Säufer, liebt jede Form von Exzess und flucht wie der Leibhaftige.

Vor allem aber ist er unsterblich, seit er von einem sterbenden Indianer das Rezept für „old death whisper“ bekam, ein Lebenselixier, das genau genommen 97-prozentiger Whisky ist.

Sein Enkel Tiny ist ein schwergewichtiger Hüne von schlichtem, aber friedlichem Gemüt und baut mit ganzer Leidenschaft Zäune. Fup schließlich ist der Name der Ente, die Tiny als Küken in einem Pfostenloch gefunden hat und der Granddad Jake mit einer Notpipette voller „old death whisper“ das Leben rettete.

Gemeinsam leben die drei auf einer kleinen Ranch irgendwo in Kalifornien ein friedliches Leben, das nur für Außenstehende sonderbar erscheint. Für den Besitzer vom Autokino etwa, der von Enten auf dem Rücksitz gar nichts hält.

Obwohl Fup doch besonders gerne Liebesfilme anschaut. Und Western. Ebenso wie Grandad Jake und Tiny.

Eine herrlich skurrile Geschichte, witzig, poetisch, lebenswarm und weise, erzählt das Einzig wahre Moment-Theater in dem Livehörspiel „Fup“ aus der Feder des amerikanischen Autors Jim Dodge, das am Wochenende im Kulturkeller Premiere hatte.

Gemeinsam haben Patrick Schad und Marek Wander Wrobel Dodges erzählerisches Kleinod inszeniert und daraus ein rund zweistündiges Abenteuer und einen genussvollen Ohrenschmaus gemacht.

Auch optisch hat die liebevoll gestaltete Bühne allerhand zu bieten und versetzt mit Wäscheleine, Zäunen, Reisigbündeln und anderen schön gesetzten Details in die beschauliche Zwei-Männer-und-eine-Ente-Welt von Jake, Tiny und Fup.

Schad liest Dodges wunderbaren Text so lebendig und kraftvoll, dass man völlig hineingezogen wird in die Abenteuer der zwei (oder drei?) kauzigen Hinterwäldler. Mit stimmungsvoll-dezenten Akzenten auf der Gitarre begleitet Jo Lüger-Schäfer die Geschichte.

Gregor Koppenburg lässt mit großem Geschick Wind und Regen rauschen, Grandad Jakes Jeep aufdrehen, macht Fups entische Meinungsäußerungen ebenso hörbar wie das Durchladen von Tinys Gewehr.

Dabei ist es einfach faszinierend, zuzuschauen, wie er den originellsten Gegenständen die passenden Laute entlockt, das Graben der Pfostenlöcher oder Einschlagen der Pfosten punktgenau trifft und zwischendurch wehmütige kleine Lieder singt vom Leben im tiefen Westen oder das Geschehen begleitet auf einem prächtigen alten Akkordeon.

Direkt im Kopf des Zuhörers lassen Schad und sein Team die „Geschichte eines Unsterblichen“ auf diese Weise ablaufen und eben deshalb sieht man sie um so lebendiger.

Die Ente Fup etwa, deren Name (Fup Duck) ein unflätiges Wortspiel von Jake ist, und Grandad, wenn er versucht, dem viel zu groß und schwer geratenen Tier das Fliegen beizubringen.

Oder Tiny und Fup bei der Jagd auf den wilden Eber Lock Jaw, der der natürliche Feind aller von Tiny gebauten Zäune und womöglich sogar die Reinkarnation von Jakes altem Kumpel Johnny Seven Moons ist.

Immer wieder ist diese Geschichte abgrundtief komisch, herzerweichend, einfach schön, bis zu ihrem wundersamen Ende. Das charmante Livehörspiel, das allen Beteiligten hier gelungen ist rundum ein Genuss ist.

(KaTse)