Das einzig wahre Moment Theater
Szenen aus dem Repertoire des Moment Theaters
 
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Auch Hamlet war ein Junge

NGZ, 18. Mai 2008

Neuss. Richtiges Thema wird der größte britische Dichter meist erst in der Oberstufe, wenn seine berühmten Stücke "Macbeth" oder "Romeo und Julia" auf dem Lehrplan stehen. Bis dahin bleibt William Shakespeare kaum mehr als ein Name, den man jedoch immerhin mit ahnungslos - treuer Ehrfurcht ausspricht - selbst dann, wenn man erst elf Jahre alt ist.

Im Kulturkeller wurde am Samstag Nachmittag eine eigens für junge Leute ab zehn Jahren veränderte Version der Tragödie "Hamlet" aufgeführt, der ein kleines (überwiegend weibliches) Publikum lauschte.

Die Vorlage stammt von dem 2005 verstorbenen deutschen Künstler F.K.Waechter. "Prinz Hamlet" ist nach "Schule mit Clowns" bereits das zweite Stück Waechters, das Das einzig wahre Moment Theater zeigt. Der Autor stellte Prinz Hamlet als Jungen dar, der auf der Schwelle zwischen Kindsein und Erwachsensein steht, als schwärmenden Träumer und temperamentvollen Kämpfer.

Der Tod seines Vaters setzt ihm sehr zu, wohingegen seine Mutter sich recht flink mit dem Onkel verheiratet und diesen damit zum nächsten König gemacht hat.

Hamlet (talentiert gespielt von Gregor Koppenburg) nimmt ihr das übel und als der Geist des Vaters ihm erscheint, schwört er Rache für diesen zu nehmen. Was weiter geschieht muss wohl niemandem hier erzählt werden.

(...) die Spieldauer lag bei knapp 60 Minuten (...) und die jungen Zuschauer hatten keine Probleme, den einzelnen Szenen zu folgen. Als Metapher für das Nebeneinander von Kind und Mann in Hamlet dienten zwei seiner Spielgefährten: Kasper und Teddybär. Sie versorgten Hamlets stummes Sein mit hilfreichen und niedlich gesprochenen Untertiteln. Inmitten der ernsten Erzählung wirkte auch das Königspaar wie eine muntere Erfrischung; Regisseur Patrick Schad verlieh dem bösen Onkel nicht nur seine herrlich klangvolle Stimme, sondern auch einen passend schlechten Charakter. Auch sein Regie-Partner Marek Wander Wróbel stand mit einer kleinen Rolle auf der Bühne.

Die Schnörkeligkeit von Shakespeares Sprache war in passender Weise leicht entschärft, jedoch nicht vollkommen entfremdet worden. Lediglich am Ende machte sich einige Verwirrung breit, als Ophelia verlorenen Verstandes ihren Geliebten befreien möchte - und davonläuft.

Das Bühnenbild setzte sich aus einfachen Mitteln zusammen, was zu der insgesamt auffälligen und angenehmen Sparsamkeit der Inszenierung passte. Die moderne Musik verbreitete Atmosphäre im urig-gemütlichen Kulturkeller.

Kinder wie auch ältere Zuschauer genossen die erleichterte Kurzfassung des berühmten Originals im urigen Theaterkeller.

(Anna Schnürch)